Tag 72 bright

Tag 72 bright

Tag 72 bright

Gestern hatte ich mehrere binges, auch mit NMF ( Not my food ). Natürlich ist nun nicht alles weg, was ich mir in den letzten 2 Monaten aufgebaut habe. In der Vergangenheit hatte es für mich immer die Konsequenz wieder bei Tag 1 anzufangen, wenn ich einen break hatte. Das werde ich dieses Mal nicht machen. Ich zähle den gestrigen Tag nicht und mache weiter.

Es war gestern so schlimm für mich. Ich war direkt in der Sucht, alle meine Gedanken drehten sich nur noch um das Essen, als ob es die 71 Tage vorher nicht gegeben hätte. Es war auf jeden Fall auch der What-the-hell-Effekt dabei, der es ganz hat eskalieren lassen. Da bin ich doch froh drüber, weil ich mich körperlich so schlecht gefühlt habe gestern, in der Nacht und auch noch heute. Kopfschmerzen, schlimme Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Vor allem das Wahrnehmen von der fehlenden Freiheit durch BLE und dem obsessiven Denken an NMF hat dafür gesorgt, daß ich heute direkt wieder bright bin.

Das will ich auf keinen Fall mehr! Ich verspürte gestern so eine Traurigkeit, daß ich dieses erlernte Verhalten der Betäubung durch bingen nicht mehr ausführen darf und will. Das hat zu so einer Art Abschieds-binge geführt. Es war wie ein bewußter Akt am Anfang und dann hat mich die Sucht verschlungen. Kontrolle ist unmöglich. Alles NMF, was ich schon seit Wochen wahrgenommen habe, habe ich gestern verschlungen und auch viel weggeschmissen danach.

Das letzte Mal NMF

Ich wußte schon währenddessen, daß dieses das letzte Mal sein wird. Ich kann das nicht mehr. Auf keinen Fall will ich wieder so unnahbar für meine Kinder sein und mich jeden Tag körperlich so schlecht fühlen. Außerdem brauche ich für die Situation zwischen meinem Mann und mir einen klaren Kopf.

Dieses Bingen hat mich früher gerettet und ich verstehe die Traurigkeit des Loslassens davon. Außerdem ist da eine große Verzweiflung, weil ich nicht weiß, was ich statt dessen machen soll so lange mein Körper voll im Traumazustand ist. Wie soll ich die Monate ohne Bingen schaffen? Mein Therapeut meldet sich nicht, von ihm bauche ich einen Bericht für den Hausarzt. Die Psychiaterin von dem Gespräch am Mittwoch hat auch ihren Bericht noch nicht zum Hausarzt geschickt. Montag wollte mein Arzt mir dann eine Überweisung für die PTBS-Klinik ausstellen, basierend auf diesen Berichten. Jetzt wird sich das noch länger hinziehen.

Ich warte schon so lange, habe so hart gekämpft und diese Wartezeit für eine Therapie, die mich endlich weiter bringen könnte, erscheint mir so unerträglich lang. Da wirkt „One day at a time“ wie ein unnützes Mantra. Obwohl ich weiß, daß es das Beste ist, was ich zur Zeit tun kann. Nur heute zu sehen, nur für heute bright zu sein.

Am Tag 72 bright habe ich genau gegessen, was auf meinem Plan stand. Meine Dankbarkeitsliste ist geschrieben und mein Plan für morgen auch. Ich habe ihn bei meinem neuen accountability buddy committet.

Liebe Grüße,

Olivia

 

 

Ein Gedanke zu „Tag 72 bright

  1. Mensch Olivia,
    als ich das erste Mal deine Seite gelesen habe war ich so froh das bei dir alles endlich in die richtige Richtung läuft.Deine letzten Einträge machen mich echt traurig.Es ist eine Schande das ein so toller Mensch wie du nicht zur Ruhe kommt.Hoffentlich klappt es bald mit deiner Therapie.Ich wünsche dir wirklich alle Kraft der Welt um für dich und deiner Kinder Willen endlich da raus zu kommen.
    Alles Gute
    Tim

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